Dieser internationale Standard wurde für alle Arten von Bildungseinrichtungen, vom Einzeltrainer bis zur Universität, geschaffen. Er wurde zwar vorrangig für die betriebliche Ausbildung und berufliche Weiterbildung geschrieben, eignet sich jedoch auch explizit und hervorragend für Schulen, Oberstufenzentren und Hochschulen, Berufsausbildung, Privatschulen, Fernlehre, Akademien, Fachhochschulen und Universitäten.

Die Norm DIN ISO 29990:2010 ist seit 2010 verfügbar. Sie findet im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) besonders viel Anklang und ist hier inzwischen das nach ISO 9001 am häufigsten zertifizierte Managementsystem im Bereich der Aus- und Weiterbildung.

ISO 29990 umfasst die folgenden Schulbereiche:

  • Bedarfsorientierung (Lernende, Unternehmen, Auftraggeber von Bildung)
  • Unterrichtsplanung (Ziele und Umfang, Transfer, Curriculum)
  • Erbringen von Lerndienstleistungen (Information und Orientierung, Lernressourcen und Lernumgebung)
  • Monitoring (Feedback der Lernenden, Analyse und Bewertung der Lernfortschritte, Lernerfolge, eingesetzte Ressourcen)
  • Evaluation (Ziele der Evaluation, Evaluationsmethoden und -Instrumente in unterschiedlichen Phasen des Lernprozesses, Datenschutz, Kompetenz und Objektivität der Evaluatoren, Kontext, Erwartungen und Interpretation)
  • Managementsystem (Verpflichtung zur Norm, Dokumentation, Verantwortlichkeiten, Zugänglichkeit)
  • Strategie und Unternehmensmanagement (Geschäftsplan mit Strategie, Zielen, Führungsstruktur, Schlüsselprozessen und Qualitätspolitik)
  • Managementbewertung (Eignung, Angemessenheit und Effektivität des Managementsystems)
  • Verfahren für das Erkennen von und den Umgang mit Fehlern
  • Finanzmanagement und Risikomanagement
  • Personalmanagement (Kompetenzen der Mitarbeitenden, berufliche Entwicklung)
  • Kommunikationsmanagement (intern/extern)
  • Ressourcenbereitstellung (Personal, Lernmaterialien, Ausrüstungen, IT-Infrastruktur, Arbeits- und Lernumgebungen)
  • Interne Audits (für die fortlaufende Aktualisierung und Umsetzung des Management-Systems)

Entstehung

Nachdem in vielen Ländern der Konkurrenzdruck im Bildungsbereich enorm zugenommen hatte und die Positionierung auf dem Markt in den Neunzigerjahren an Bedeutung gewann, entstanden mehrere spezifische Qualitätssicherungs-Systeme für Bildungsdienstleister, von denen sich aber keines so richtig breit durchsetzen konnte. Das DIN (Deutsches Institut für Normung) ergriff dann Anfang 2006 die Initiative zur Entwicklung eines bildungsspezifischen internationalen QMS und beauftragte ein international zusammengesetztes Team aus Pädagogen, Auditoren sowie Wissenschaftlern und Praktikern.

Zertifizierung

Für die Zertifizierung meldet sich eine Schule bei einer anerkannten Zertifizierungsstelle an.

Vorbereitung

Viele Institutionen ziehen eine/n Berater/in hinzu, um das Qualitätsmanagement-System von Anfang an umfassend zu dokumentieren. Es gibt inzwischen auch sehr gute Literatur, die die Einführung von ISO 29990 sehr erleichtert (insbesondere vom Hrsg. DIN, im Beuth Verlag GmbH, "Qualitätsmanagement in der Aus- und Weiterbildung").

Voraudit

Vor der ersten Zertifizierung findet üblicherweise ein Voraudit statt, um abzuklären, ob die Zertifizierungsreife gegeben ist.

Zertifizierung

Die Institution wird mit einem Audit vor Ort zertifiziert. Dabei wird überprüft, ob die Normen-Konformität gegeben ist.

Die Institution erhält einen Auditbericht und - falls die Zertifizierungsbedingungen erfüllt sind - ein Zertifikat über drei Jahre.

Aufrechterhaltungsaudit

In den folgenden zwei Jahren finden Aufrechterhaltungsaudits statt. Dabei werden die wesentlichen Prozesse und Veränderungen sowie erreichte Verbesserungen überprüft. Hierbei werden auch die übrigen Standorte besucht, sodass innert drei Jahren alle Standorte auditiert wurden.

Rezertifizierung

Drei Jahre nach der Zertifizierung muss das Zertifikat erneuert werden und es beginnt ein neuer Zyklus mit (Re-)Zertifzierungs-Audit und zwei Aufrechterhaltungsaudits.

Vor- und Nachteile

  • ISO 29990 ist international anerkannt, insbesondere in europäischen Ländern verbreitet.
  • Bildet alle wesentlichen Prozesse einer Schulungsinstitution (eines Lerndienstleisters) ab.
  • Verwendet eine einheitliche, bildungsspezifische Terminologie.
  • Lässt eine schnelle Einarbeitung und eine praxisnahe Anwendung zu.
  • Ausgehend von den Kernprozessen (Unterricht) entstehen viele Impulse für die unternehmerischen Prozesse.
  • Im Mittelpunkt stehen der Einbezug aller interessierten Parteien und der Lernerfolg / Transfer.
  • Die Umsetzung erfordert eine partizipative Vorgehensweise sowie die Fokussierung auf den Lernprozess.
  • Auch wenn man sich nicht zertifizieren lässt, kann man aus dieser Norm sehr viele Impulse für die eigene Schulführung entnehmen.
  • Die Norm ist in der öffentlichen Wahrnehmung noch wenig präsent.
  • ISO-Normen werden irrtümlicherweise häufig mit früheren, stark industrie- und dokumentenlastigen Versionen von ISO 9001 gleichgesetzt. Inzwischen sind aber alle ISO-Normen überwiegend auf die Kundenorientierung und die Wirksamkeit der Prozesse ausgerichtet.

Verwandte Beiträge und weiterführende Links

eduQua: Das schweizerische Label für Erwachsenenbildung

ISO 29990 beim Deutschen Institut für Normung

Detailliertere Beschreibung DIN ISO 29990 bei SQS

Produkteflyer für DIN ISO 29990 der SQS

Akkreditierte Zertifizierungsstellen der Schweiz beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO
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