Auch Entwicklungserfolge sollten von Zeit zu Zeit überprüft werden. Dabei werden die Lern-Prozesse beobachtet und analysiert und die Verhaltensänderungen in Bezug auf Soft Skills dokumentiert. Die Dokumentation ist wichtig, um ein begründetes Feedback geben zu können.

Die Kontrolle und Beurteilung von Soft Skills ist heikel. Denn das Thema Soft Skills hat einen ethisch-moralischen Aspekt, der nicht aus den Augen gelassen werden sollte: Welche Ausprägung von welchen Soft Skills gefragt ist oder für richtig befunden wird, hängt vom Wertesystem der Umgebung ab. Und die Fremdeinschätzung ist nicht das Mass aller Dinge - nur die im Fokus stehenden Menschen selbst können beurteilen, ob die Fremdeinschätzung mit ihrer Selbstwahrnehmung übereinstimmt und - wenn sie das denn wollen - Auskunft darüber geben, weshalb das so ist.

In Seminarräumen wird häufig versucht, eine bestimmte Fähigkeit in einer absichtsvollen Art und Weise zu vermitteln. Dadurch wird zwar das Wissen über Soft Skills vermehrt, der Mensch selbst aber nicht verändert. Häufig kann das Wissen, wie man handeln sollte oder möchte, nicht im Alltag umgesetzt werden. Dies ist nur dann möglich, wenn freiwillig und aus eigenem Antrieb an der persönlichen Entwicklung gearbeitet wird und der Wunsch da ist, etwas zu verändern.  Eine unverwechselbare Persönlichkeit entsteht nicht im Kurs, sondern im alltäglichen Handeln, Üben und Reifen.

In der Praxis wird bei der Kontrolle von Soft Skills deshalb oft bloss Wissen abgefragt (über Fragebögen zum Beispiel), was eher zur geheuchelten Anpassung als zur gelebten Realität führt. Soll das tatsächliche Können überprüft werden, muss das im Dialog und mit Respekt geschehen.

Am Anfang steht die gemeinsame Zielformulierung und das sorgfältige Einbeziehen des Funktions- bzw. des Lernfeldes. Es muss vor der Schulung transparent werden, ob der Lernerfolg dem Funktionsfeld oder der Persönlichkeitsentwicklung dienen soll. Eine Weiterbildungsvereinbarung mit dem Vorgesetzten (im betrieblichen Umfeld) oder mit der sich entwickelnden Person selbst schafft hier die Grundlage für die Überprüfung. Nach der Schulung folgt der rationalen Analyse (Lernerfolg, Unklarheiten, Lücken) die emotionale Analyse (Akzeptanz des Gelernten, Widerstände, Bereitschaft zur Umsetzung) sowohl in Bezug auf die sich entwickelnde Person als auch in Bezug auf das Feld, in dem das veränderte Verhalten gezeigt werden soll.

Prozesse beobachten

Um Entwicklungserfolge bei Soft Skills zu überprüfen, braucht es die Beobachtung von Prozessen. Denn viele Soft Skills können nur in Assessments, Rollenspielen und realen Verhaltenssituationen beurteilt werden. Prozessbeobachtung schliesst das Erkennen von Prozessphasen ebenso mit ein wie das strukturierte Festhalten der wesentlichen Beobachtungen.

Persönlichen Lernerfolg beurteilen

Zur Beurteilung des persönlichen Lernerfolges gehört das regelmässige Führen von Aufzeichnungen über einen längeren Zeitraum. Diese Beobachtungen sollten sich auf die Aspekte Wissen und Können einer Kompetenz, aber auch die Haltung dazu und dabei beziehen. Ausserdem werden erreichte Teilschritte erkannt und gewürdigt.

Entwicklungserfolg im Lernfeld beurteilen

Das Lernfeld ist die Schule, der Kurs, die arrangierte Lernsituation

Die Überprüfung des Entwicklungserfolgs im Zusammenhang mit einer arrangierten Lernsituation erfolgt üblicherweise mit geplanten standardisierten Kompetenznachweisen, die es ermöglichen, sowohl das Wissen und die Fertigkeiten wie auch die Einstellung und Werthaltung im Zusammenhang einer Kompetenz zu beobachten. Solche Kompetenznachweise sind beispielsweise Spielarten von Projekten, schriftliche Fallbearbeitungen, Rollenspiele, Präsentationen oder Portfolios.

Entwicklungserfolg im Funktionsfeld beurteilen

Die Praxis am Arbeitsplatz oder im Alltag wird auch als Funktionsfeld bezeichnet.

Bei Kindern werden Soft Skills überwiegend im Funktionsfeld (Familie, Schule) erworben, ohne arrangierte Lernfelder, die Beurteilung erfolgt über Lehrer/-innen, Erzieher/-innen und Fachpersonen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen geht diese Beurteilung immer mehr in die Privatsphäre einerseits und die berufliche Qualifikation andererseits über. Die Beurteilung der persönlichen Entwicklungserfolge ist - gekoppelt an die Selbsteinschätzung - häufig getrübt durch den Ärger oder die Verletzung, die eine ungefilterte Rückmeldung der Bezugspersonen auslösen kann. Deshalb ist es wesentlich, sich gezielt Feedback zu erbitten und sich dieses Feedback zu Herzen zu nehmen.

Die Beurteilung der Entwicklungserfolge in der Berufspraxis erfolgt häufig über arrangierte Lernfelder oder konkrete Aufgaben. Entsprechend wird die Beurteilung entweder gestützt auf objektivierte Beobachtung oder aber als Zufriedenheit mit dem Ergebnis vorliegen.

Wirksamkeit überprüfen

Entwicklung von Soft Skills braucht viel Zeit. Die Wirksamkeit einer Entwicklungsmassnahme kann deshalb erst über längere Zeiträume beurteilt werden.

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Lesen Sie im Buch Soft Skills fördern das Kapitel 1.5