Stark in Erziehung - stark in Beziehung

1   Beobachten Sie das Kind

Ein Kind ist ein Individuum - ab Geburt. Interpretieren Sie sein Verhalten nicht vorschnell. Jedes Kind funktioniert und reagiert etwas anders. Versuchen Sie herauszufinden, was das Kind selbst anstrebt, bevor sie ihm eine böse Absicht oder eine Unart unterstellen.

2   Beobachten Sie sich selbst

Das, was Sie selbst tun, wird das Kind nachahmen. Immer. Schauen Sie also mehr darauf, was Sie so unternehmen und was Sie den lieben langen Tag tun, als dass Sie das Kind sinnvoll zu beschäftigen suchen. Achten Sie darauf, wie Sie sich selbst benehmen statt dem Kind Moral beibringen zu wollen.

3   Verstärken Sie positives Verhalten

So oft wie möglich: Loben Sie, bestärken Sie. Bedanken Sie sich für artiges Verhalten. Bedanken Sie sich für Mithilfe. Zeigen Sie Ihre Freude, wenn Sie ein Verhalten freut. Falls Sie dem Kind eine Unart abgewöhnen wollen: Geben Sie Belohnungspunkte für positives Verhalten - das ist wirksamer als bestrafen.

4   Unterstützen Sie Selbstständigkeit

Machen Sie das Kind nicht hilfloser, als es ist. Lassen Sie es Erfahrungen machen. Aber behalten Sie es im Auge - Kleinkinder müssen ununterbrochen beaufsichtigt werden, Schulkinder sollten wo immer möglich in Hörweite sein. Greifen Sie erst ein, wenn es gefährlich wird. Reden Sie mit dem Kind über Gefahren, erklären Sie ihm, wie die Dinge funktionieren.

5   Fördern Sie die Frustrationstoleranz

Bereits Dreijährige können sich schon sehr gut für ihre eigenen Bedürfnisse einsetzen. Und schon Sechsjährige können ausgewachsene Tyrannen sein. Jedoch: Einen Impuls zurückzustellen, eine Frustration auszuhalten, auf etwas warten zu müssen - das müssen Kinder mühsam lernen. Auch wenn das Kind schreit und tobt - es muss nimmt keinen Schaden dabei, wenn Sie ihm liebevoll klarmachen, dass etwas jetzt gerade nicht nach seinem Willen geht.

6  Nehmen Sie sich Zeit für Kindliches

Nehmen Sie sich Zeit für Gemeinsamkeiten mit dem Kind. Lassen Sie sich zeigen, womit sich das Kind beschäftigt. Legen Sie Handy und Tablet zur Seite, stellen Sie den Fernseher ab. Unternehmen Sie etwas gemeinsam, streifen Sie durch die Stadt, den Wald, die Umgebung. Besuchen Sie eine Ausstellung oder eine Sehenswürdigkeit. Surfen Sie gemeinsam im Internet zu einem spannenden Thema. Spielen und blödeln Sie gemeinsam rum - und wenn Sie nicht mehr wissen, wie das geht: Lassen Sie sich vom Kind anstecken zum Lachen und Necken.

7   Hören Sie zu

Lassen Sie das Kind reden, erzählen, fantasieren. Fragen Sie nach, finden Sie heraus, was das Kind Ihnen mitteilen will. Geben Sie ihm Raum. Helfen Sie ihm, in Worte zu fassen, was es noch nicht vollständig versteht. Beantworten Sie die Fragen - zeigen Sie dem Kind, wo es sich weiter informieren kann. Konfrontieren Sie es mit unterschiedlichen Themen und hören Sie gut zu, was es dazu zu sagen hat.

8    Seien Sie ehrlich

Seien Sie ehrlich mit sich selbst. Schauen Sie den Tatsachen ins Auge, verwedeln und verwischen Sie eigenen Schwächen nicht. Das Kind nimmt Sie zum Vorbild, gerade auch im Umgang mit Ihren Schwächen und Stärken. Lassen Sie Ausreden als kreative Ausdrucksform gelten, aber schauen Sie gemeinsam mit dem Kind dahinter. Zeigen Sie dem Kind auch, wo die Fairness oder die Rücksichtnahme es erfordert, dass man diplomatisch mit der Wahrheit umgeht. Und vermeiden Sie es, das Kind mit Halbwahrheiten und Andeutungen zu manipulieren.

9   Nehmen Sie Abstand

Wechseln Sie innerlich die Perspektive. Was würden Sie einer fremden erwachsenen Person raten, wenn Sie sie in der gleichen Situation beobachten? Stellen Sie sich vor, sie betrachten die Situation grad von der Deckenlampe aus: Was sehen Sie aus dieser Perspektive? Fragen Sie sich: Was würde mein grosses erzieherisches Vorbild jetzt wohl tun? Atmen Sie tief durch und machen Sie ein paar Schritte.

 10   Leben Sie Ihr eigenes Leben

Jede Person hat ein Recht auf eigenen Freiraum und persönliche Interessen. Nehmen Sie sich diesen Raum und leben Sie damit dem Kind vor, dass Sie eine eigene und unabhängige Persönlichkeit sind. Je älter das Kind wird, desto interessierter wird es Sie mit Ihren Hobbies beobachten und eigene Interessen entwickeln. Statt gemeinsamen Aktivitäten rückt dann das Gespräch über die unterschiedlichen Aktivitäten in den Vordergrund.