Was haben Lehrpläne mit Lernziel-Ebenen zu tun?

Kompetenzorientierte Lehrpläne (KoRe-Lehrpläne) gehen auf der Richtziel-Ebene von Berufsbildern und Berufskompetenzen aus, die dann über Handlungssituationen (vergleichbar mit Grobzielen) auf der Feinzielebene als Kompetenzen mit Ressourcen (die sowohl im kognitiven, wie auch im affektiven und psychomotorischen Bereich liegen können) beschrieben werden.

Lernzielorientierte Lehrpläne (TRIPLEX-Lehrpläne) enthalten die Lernzielhierarchie (Richt-, Grob- und Feinziele). Meistens sind die Feinziele mit K-Stufen spezifiziert; dies sind die kognitiven Taxonomiestufen nach Bloom.

Kore Triplex

Lernzielebenen

Leitziele

Die Leitziele beschreiben die Ausrichtung eines Kurses. Sie beziehen sich üblicherweise auf den ganzen Kurs und werden in der Ausschreibung genannt. Leitziele schaffen einen allgemeinen Bezugsrahmen, grenzen Kompetenzbereiche der Ausbildung ab und liefern Begründungen für die Auswahl des zu vermittelnden Stoffes.

Für Leitziele wird zuerst eine Situation, eine allgemeine Schlussfolgerung oder eine Norm beschrieben oder eine Behauptung aufgestellt. Daraus werden mögliche Konsequenzen für Bildungsmassnahmen abgeleitet.

Beispiele Leitziele: Die TN lernen Projektmanagement. Die TN erhalten eine Einführung in die Office-Programme.

Richtziele

Die Richtziele gehen von bestimmten Handlungssituationen aus, die zum Bereich des Leitziels gehören; sie beschreiben eine Verhaltensbereitschaft, welche die Lernenden in der Situation aktivieren sollen.

Merkmale von Richtzielen sind:

  1. Aussagen über die Bereitschaft zu bestimmten Verhaltensweisen.
  2. Reaktionsformen, die von Lernenden in einer Situation erwartet werden.
  3. Beschreibung von Einstellungen, Haltungen oder übergeordnete Eigenschaften.

Ein Richtziel weist jeweils nur eines oder zwei dieser Merkmale auf.

Beispiele Richtziele: Die TN befassen sich mit der Projekt-Planung, dem Projekt-Controlling und der Projekt-Auswertung. Die TN lernen den Umgang mit WORD und EXCEL. Die TN identifizieren sich mit den Berufsnormen.

Feinziele

Feinziele werden überprüfbar (operationalisiert) formuliert. Die Formulierung umfasst das Thema (was), das Endverhalten (tun), die Bedingungen (wie) und den Massstab (wieviel). Häufig wird bloss das Endverhalten zu Beginn des Kurses bekannt gegeben, die Bedingungen und der Massstab sind üblicherweise in den Prüfungsreglementen geregelt.

Endverhalten (tun):

Das von den TN erwartete beobachtbare Endverhalten wird in eindeutigen Verben beschrieben. Dabei handelt es sich um das Verhalten der TN nach durchlaufenem Lernprozess. Eine Formulierung wie „Die Lernenden entwickeln Führungskompetenz“ bezeichnet nicht das Endverhalten, sondern den Prozess, nämlich die Entwicklung (und ist somit kein Feinziel). Verben wie kennen oder wissen beschreiben kein beobachtbares Verhalten, beobachtbarer sind aufzählen oder nennen.

Bedingungen (wie):

Hier werden Bedingungen beschrieben und die Mittel zu benennen, derer sich die TN bedienen oder nicht bedienen dürfen oder unter denen sich das Verhalten als das erwünschte Endverhalten erweist ("unter Zuhilfenahme des Lehrmittels", "ohne Internet-Zugang").

Massstab (wieviel):

Massstäbe können in Bezug auf Qualität, Menge oder Zeit gesetzt werden. Je klarer der Massstab ist, desto weniger gibt es Diskussionen darüber, ob das Ziel erreicht ist, oder nicht:

  • Erschöpfende Aufzählung ("Tabelle mit 5 Spalten und 10 Zeilen", nicht "mehrspaltige Tabelle")
  • Qualitätskriterien ("fachgerecht, fehlerlos, gemäss Vorschrift, gemäss Vorlage, ...")
  • Erfüllungsgrad: ("ausnahmslos, mehrheitlich, manchmal, ab und zu, nie, ...")

Beispiele Feinziele: "Die TN können mit einem geeigneten Programm eine Projektplanung mit Meilensteinen, Projektschritten und Abhängigkeiten darstellen." "Die TN können einen Brief gemäss der geltenden Korrespondenzregeln schreiben, korrigieren und ausdrucken." "Die TN nennen mindestens fünf unregelmässige Verben."

Verwandte Beiträge und weiterführende Links

Beim kantonalen Gewerbeverband Zürich finden Sie Anforderungsprofile (Deutsch, Französisch, Englisch, Mathematik, Fächerübergreifende Kompetenzen) zu 55 Lehrberufen. Hier zeigt sich anschaulich, wie Kompetenzbeschreibungen, Zielformulierungen und Inhaltsangaben pragmatisch gemischt werden, um damit eine anwendbares Instrument zu erhalten.