Wozu unterschiedliche Sozialformen?

Als Sozialform bezeichnen wir die Art und Weise der Zusammenarbeit der am Lernprozess Beteiligten. Die Sozialformen wirken unterschiedlich auf die Kommunikation der Teilnehmenden und auf die Art der inhaltlichen Bearbeitung. Wählen Sie jeweils die Sozialform, die Ihrem Inhalt und vor allem auch Ihrer Methode angepasst ist.

Es gibt gute Gründe dafür, verschiedene Sozialformen einzusetzen. Zunächst mal werden dadurch die Lernenden aktiviert. In einer Gruppenarbeit oder Partnerarbeit kommen alle zum Reden, auch die Schüchternen und Zurückhaltenden. Gemeinsam aktiv zu werden fördert das soziale Lernen. Die Auseinandersetzung mit dem Stoff, der Fragestellung ist intensiver und die Lernenden setzen sich engagierter mit der Problematik auseinander als im Klassenverband. Und nicht zuletzt ist das soziale Lernen eine der effektiven Formen von Lernen, deutlich effektiver als passives Aufnehmen. Gemäss der neueren Lernforschung ist das wechselseitige Lehren und Lernen in unterschiedlichen personellen Zusammensetzungen dem Lernerfolg sehr zuträglich.

Wir unterscheiden die folgenden Sozialformen

Plenum

Die Lernenden empfinden sich als Teil der Gruppe. Wirkt integrativ, kann aber langfädig werden und ermüdend wirken, wenn alles im Plenum bearbeitet wird. Ab ca. zwölf Lernende sollte für verarbeitende Methoden eine andere Sozialform in Erwägung gezogen werden. In dieser Sozialform werden Sie am schnellsten gewisse Rollen erkennen: AnführerIn, BesserwisserIn, Klassenclown, etc.

Hinweis

Achten Sie darauf, dass es auch unter den Lernenden zur Interaktion kommt, also die ganze Klasse einbezogen ist und nicht alles auf die Lehrkraft fixiert ist. Schieben Sie Murmelgruppen, Fragemöglichkeiten, Einzelarbeit ein.

Eignet sich besonders für

Referat, Lehrgespräch, Diskussion, Blitzlicht, Präsentation, Moderation, Demo, ...

Murmelgruppe

Jeweils 2 bis 4 nebeneinander oder hintereinander sitzende Lernende unterhalten sich leise über das soeben Gehörte. Murmelgruppen finden im Plenum statt. Nur kurze Sequenzen (2-4 Minuten).

Hinweis

Murmelgruppen sind häufig 2 - 4 Personen, die nebeneinander sitzen. Wenn Sie eine Bestuhlung in Reihen haben, können sich jeweils zwei Personen nach hinten umdrehen, um eine Vierergruppe zu bilden. Wenn kein Gespräch zustande kommt, weil keine/r sich getraut, ermuntern Sie, bis das Gemurmel anfängt. Wenn die Zeit um ist, unterbrechen Sie nicht zu abrupt.

Eignet sich besonders für

Referate und Präsentationen auflockern, Einstieg ins Thema, eigenen Bezug schaffen, Fragen finden, Anwendungsmöglichkeiten diskutieren, ...

Halbklasse

Wählen Sie die Aufträge für Halbklassen überlegt aus. Denn wenn Sie in Halbklassen arbeiten, müssen Sie bei beiden Gruppen angemessen präsent sein. Besonders ideal sind Halbgruppen beim Teamteaching, wo zwei Lehrpersonen gemeinsam eine Klasse unterrichten.

In dieser Sozialform lassen sich gut unterschiedliche Voraussetzungen auffangen. Seien es Langsamlernende/Schnelllernende, Niveauunterschiede, unterschiedliche Interessen. Die Unterteilung in zwei Gruppen verhindert, dass Lernende, die sich nicht betroffen fühlen, geistig abhängen. Lassen Sie die beiden Gruppen austauschen.

Es kann vorkommen, dass eine Störung dadurch entsteht, dass einzelne Lernende das Gefühl haben, mit der Wahl der einen Gruppe verpassen sie automatisch das andere, nämlich die Thematik der zweiten Gruppe. Dies lässt sich entschärfen, indem den Gruppen die ausführlichen Unterlagen der jeweils anderen Gruppe abgegeben werden und indem die Gruppen im Anschluss an die Arbeit berichten.

Eignet sich besonders für

Didaktische Weiche, umfangreiche Fallstudien, im Schwierigkeitsgrad abgestufte Arbeitsaufträge, Rollenspiele, Szenen vorspielen, kontradiktorische Themen vorbereiten, ...

Kleingruppen

Gruppenarbeiten ermöglichen den Lernenden, aktiv und selbstständig zu lernen. Oft trauen sich auch eher schüchterne oder unsichere Lernende, in diesem "trauten Kreis" ihren Beitrag zu leisten oder in den Vordergrund zu treten. Meist ist die Bearbeitung in kleinen Gruppen effizienter, da weniger Personen involviert sind. Die Lernenden können aktiv ihr Wissen einbringen. Diese Sozialform setzt wohl am meisten Synergien frei. Dadurch, dass mit Gleichen gearbeitet wird (Peer Group), entsteht weniger Konkurrenz.

Hinweis

Die Aufträge müssen klar und verständlich formuliert sein. Achten Sie unbedingt auf die Zeitangabe, sonst müssen Sie ihre Gruppen suchen gehen. Auch hier gilt: vor allem, wenn unterschiedliche Aufgaben bearbeitet werden, müssen die Ergebnisse zusammengetragen und bearbeitet, z.B. präsentiert, werden. Andernfalls werden danach eher offene Fragen, Highlights oder ‚das Wichtigste’ ausgetauscht.

Eignet sich besonders für

Gruppenpuzzle, Fallstudien, Lernwerkstatt, Lerngruppen, Verfahren erproben, Übungen lösen, Ideen finden, ...

Partnerarbeit/Lernpartnerschaft

Als Partnerarbeit wird die Form bezeichnet, wo zwei Personen zusammen arbeiten. Möglich sind zufällig zusammengesetzte Teams, aber auch Wahlpartnerschaften. Die Beiden können sich gegenseitig unterstützen und motivieren.

Eine Spezialform der Partnerarbeit ist die Lernpartnerschaft, bei der meist zwei, selten drei oder vier Personen während der ganzen Dauer eines Kurses periodisch zusammenarbeiten mit dem Ziel, sich gegenseitig im Lernprozess zu unterstützen. In unserem Lehrgang verwenden wir in vergleichbarer Art und Weise die Lerngruppen.

Solche Partnerschaften oder Lerngruppen sind effizient, weil die Reibungsverluste minimal sind. Wenn man sich einmal gefunden hat, muss meistens über die Arbeitsweise und Konkurrenzprobleme nicht mehr gross diskutiert werden.

Hinweis

Achten Sie darauf, wie die Zusammensetzung ist. Tandems, bei denen es harzt, brauchen möglicherweise mehr Einsatz Ihrerseits. Bei länger dauernden Partnerschaften darf auch mal die Zusammensetzung geändert werden, um nicht zu viele Reibungsverluste zu haben.

Eignet sich besonders für

Partnerinterview, Strukturlegetechnik, Vortrag vorbereiten, Fallstudien, Lerntandems, arbeitsaufwändige Übungen, persönliche Themen, Erfahrungsaustausch, Transferaufgaben, ...

Einzelarbeit

Es gibt viele Themen und Situationen, die nach einer Einzelarbeit verlangen und wo die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema oder das Einüben von Prozessschritten nur in Einzelarbeit erfolgen kann (Zusammenfassen, strukturieren, Texte schreiben, Handlungen einüben, auswendig lernen). Schliesslich erfolgt Lernen immer durch das Individuum und kann ihm nicht von einer Gruppe abgenommen werden.

Hinweis

Achten Sie darauf, dass die Einzelarbeit keinen Prüfungscharakter erhält, ausser es handelt sich tatsächlich um die Simulation einer Prüfungssituation. Spielen Sie aber auch dann nicht PolizistIn, sondern überlassen Sie den Umgang mit dieser Situation der Selbstverantwortung der Lernenden. Sorgen Sie wo möglich dafür, dass die Überprüfung der Resultate durch die Lernenden selbst vorgenommen werden kann.

Eignet sich besonders für

Multiple Choice, Sortieraufgaben, Kreuzworträtsel, Prüfungssimulationen, Lernwerkstatt, wenn es um Wissen geht, ...

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Studieren Sie im Buch Lehren kompakt I S. 235.

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