Eine Lerndiagnose ermöglicht es, den Stand der Lernfähigkeit und des Lernens abzuschätzen und genauer zu beschreiben. Die Lerndiagnose ist eine Standortbestimmung: Wo stehe ich mit dem Lernen? Was kann ich wie gut? Liegt eine Lernleistungsstörung vor? Sie gibt Hinweise für die Früherkennung von gefährdeten Jugendlichen.

Ablauf einer Lerndiagnose

  1. Da es sehr viele unterschiedliche Aspekte von Lernen und Lernstand gibt, sollte zuerst festgelegt werden, in welchen Feldern beobachtet werden soll.
  2. Danach können die genaueren Indikatoren festgelegt werden: Woran erkenne ich den Stand und die Vorgehensweise beim Lernen?
  3. Es wird festgelegt, in welchem Zeitraum und in welcher Umgebung unter welchen Bedingungen das Lernen beobachtet und geprüft wird.
  4. Die Beobachtungen und Prüfungen werden anhand der Indikatoren durchgeführt.
  5. Die Beobachtungen mit den Einschätzungen werden schriftlich festgehalten.
  6. Die Ergebnisse werden mit dem/der Lernenden besprochen. Dabei sollte die Selbsteinschätzung im Mittelpunkt stehen.
  7. Wenn die Entwicklungsmöglichkeiten besprochen sind, können Ziele zum weiteren Lernen festgelegt und Vereinbarungen getroffen werden.

Mögliche Beobachtungsfelder

  • kognitive Lernvoraussetzungen (Wahrnehmung von kinästhetischen, visuellen und akustischen Reizen)
  • fachliche Leistung
  • Informationsbeschaffung
  • Präsentieren, Vortragen
  • Selbstständiges Arbeiten (Arbeitsaufträge lesen, Probleme lösen, Zeitplan, Zu- oder Abnahme)
  • Flexibilität (bezüglich wechselnden Inhalten, wechselnden Methoden, wechselnden Personen / Lernpartnern)
  • Vorwissen - Kann es angezapft und verwertet werden?
  • Lese- und Schreibkompetenz / Sprachverständnis
  • Computerkompetenz
  • Praktische, handwerkliche Fertigkeit
  • Lernstrategien (Vertiefungsstrategien, Memorierstrategien, Kontrollstrategien)
  • Stützstrategien (Anstrengungsbereitschaft, die Motivation, die Aufmerksamkeit und die Misserfolgsbewältigung)
  • Lerntyp, Wahrnehmungstyp
  • Sozialverhalten (alleine oder in Gruppe lernen, Kooperation, Rollenflexibilität)
  • Konzentration / Aufmerksamkeit (auch Rücksicht gegenüber Anderen)
  • Sorgfalt / Genauigkeit (mit Material, beim Beobachten, beim Nachdenken)
  • Ausdauer / Belastbarkeit (körperlich und geistig, Stressbewältigung)
  • Umgang mit Fehlern
  • Kreativität (Ideen, Unbekanntes akzeptieren)
  • Neugier / Forscherdrang (Fragen stellen, Interesse an Unbekanntem, Beobachten, selber nach einer Antwort suchen)
  • Arbeitsplanung (Arbeitsplatz organisieren, Ziele finden, Arbeitsschritte festlegen – für sich allein und für die Gruppe)
  • Arbeitstempo (Zeitmanagement, Arbeitsdisziplin)
  • Arbeitshaltung (Motivation, Frustrationstoleranz, Leistungswille, Durchhaltevermögen)
  • Reflexion (eigene Arbeitsleistung, Lernstand, Rollenverständnis, Glaubenssätze)
  • Selbstvertrauen / Erfolgszuversicht

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